So fing alles an:

  

Im Jahr 1965 entstand an der damals neuen Geschwister-Scholl-Schule in Hainhausen auf Drängen einiger Mädels aus den oberen Hauptschulklassen ein kleiner Schulchor. Schulleiter Bertrand hatte hierfür auch gleich den richtigen Junglehrer zur Hand: Waldemar Tober, der diese Herausforderung gerne annahm.

 

Zwei Grundsätze waren es, die den Chor und seine Musik seinerzeit geprägt haben: Zum einen erkannte Waldemar Tober sehr klar, dass sauberes Singen vom Gehör abhängt, welches nun einmal nicht jeder besitzt und was auch nicht erlernbar ist. Er ließ also vorsingen und musste so manchem Bewerber/mancher Bewerberin nahelegen, sich einem anderen Hobby zuzuwenden, wenn er/sie den geforderten Ansprüchen nicht gerecht werden konnte. Damit sicherte er für seinen Chor von Anfang an einen gewissen Standard.

 

Das zweite war die Auswahl der Lieder. Mit der Suche nach geeigneten Stücken für seinen jungen Chor verbrachte Waldemar Tober viele Stunden in staubigen Musikläden, ohne das Richtige zu finden. Kurzerhand besann er sich auf das, was er an der PH in Würzburg gelernt hatte und arrangierte „einfach“ seine Lieder selbst. So entstand Waldemar Tobers erstes Stück für den damaligen Schulchor - „Der Vesperchor“. Unter Beachtung dieser beiden Grundsätze leitete Waldemar Tober seinen Chor, der sich damit schnell entwickelte und schon bald zu Konzerten und Festen eingeladen wurde.

  

Anfang der siebziger Jahre wurde aus dem Schulchor der „Jugendchor des Deutschen Jugendrotkreuzes“, der unter diesem Namen sogar eine LP aufgenommen hat. Aus dieser Zeit stammen Titel wie z. B. „Die Dämmerung fällt“, „Jenseits des Tales“ und „Old black Joe“. Man sang zwölf erfolgreiche Jahre zusammen, bis erneut die Zeit zu einem Wechsel reif war. So verlagerte sich bei den Jugendlichen das Interesse hin zu dem anderen Geschlecht ;-) und der Chor löste sich auf.

 

Waldemar Tober wandte sich in den folgenden Jahren anderen musikalischen Aktivitäten zu, bis ihn eines Tages im Jahr 1992 eine Einladung zu einem Ehemaligen-Treff seines früheren Chores erreichte. Er „witterte seine Chance“ und brachte zu diesem Treffen „wie zufällig“ ein paar Notenblätter mit. Das war die Geburtsstunde seines neuen Chores.

 

Man traf sich wieder regelmäßig zum Singen, brachte Freunde und Freundinnen mit und formierte sich neu. In dieser Zeit schloss sich auch der damalige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hainhausen/Weiskirchen https://ev-trinitatis-rodgau-rembruecken.ekhn.de/startseite.html Armin Witzlau an und eine wunderbare, bis heute bestehende Gemeinschaft/Freundschaft entstand. Neuer Treffpunkt für die Proben wurde das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Weiskirchen. Ein Name für den „neuen alten“ Chor war auch schnell gefunden: DaCapo - was so viel heißt wie „von vorne“. Dieser Name traf den Nagel auf den Kopf!

 

Jetzt konnte Waldemar Tober wieder aus dem Vollen schöpfen. Er arrangierte, komponierte, dirigierte, sang Solo … Eigene Kompositionen wie das „Vater unser“, „Gloria in excelsis deo“ oder „Das Weihnachtslied vom Eselchen“ mit dem unvergessenen Solo von Pfarrer Witzlau entstanden. Arrangements von unzähligen Musikstücken quer durch die gesamte Musikszene folgten („Waltzing Matilda“ von Rod Stewart, „Don’t cry for me Argentina“ aus dem Musical Evita, die afrikanische Nationalhymne „Nkosi sikelel iAfrika“ und viele, viele mehr). Waldemar Tobers Bandbreite schien schier unerschöpflich auf der Suche nach neuen Herausforderungen für sich und seine Sängerinnen und Sänger. Wer genau hinhört, wird immer wieder die Dynamik aus dem Jazz heraushören, der schon immer Waldemar Tobers musikalische Heimat war und der vielen seiner Stücke ein unverkennbares Merkmal verliehen hat.  

  

So konnte schon bald zum ersten DaCapo-Sommerkonzert eingeladen werden. Danach begannen die Weihnachtskonzerte in der St. Nikolaus-Kirche in Jügesheim, die für DaCapo’s Musik ein wunderbares sowohl optisches als auch akustisches Ambiente darstellte und bis heute noch darstellt. Von Anfang an wurden zu den Konzerten auch musikalische Gäste eingeladen; viele davon haben DaCapo bis heute die Treue gehalten und sind jederzeit beim Chor und den Zuhörern herzlich willkommen.

 

DaCapo ist stolz darauf, etliche Solisten in den eigenen Reihen zu haben, mit deren Stimmen oder Instrumenten die Chormusik bereichert und somit noch abwechslungsreicher gestaltet werden kann. Sogar eine Ko-Dirigentin und Arrangeurin - Jutta Kroiß - gab es bei uns seinerzeit. Sie stand Waldemar Tober fachmännisch zur Seite, brachte eigene Ideen und Gesangsstücke ein und mauserte sich so zum einen zu einer wertvollen Stütze und sorgte zum anderen für manchen frischen Wind in der Runde.

 

Was DaCapo von je her ausmachte war die „etwas andere Art“. Der Chor war noch nie ein Verein und auch keine Abteilung eines Vereins, sondern eine absolut unabhängige Interessengemeinschaft. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Waldemar Tober; alles andere entschieden die Chormitglieder gemeinsam.

 

Ein sympathisches „Aushängeschild“ von DaCapo ist Sänger und Chorsprecher Andreas Finkeldey, der bereits seit vielen Jahren bis heute mit viel Information, Sachverstand  und Charme durch die Konzerte führt und zu jeder Gelegenheit - auch innerhalb des Chores - die passenden Worte findet.

  

Vor fast 20 Jahren wurde im Chor die Idee geboren, mit den Überschüssen aus den gut besuchten Weihnachtskonzerten hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Aus der Verbindung zur heutigen evangelischen Trinitatisgemeinde Rodgau-Rembrücken und dem damaligen Freundeskreis Cakany (Familie Kawecki) entwickelte sich so eine „moralische Verpflichtung“ für den Chor. Über mehr als zehn Jahre spendete der Chor direkt an das Waisenhaus in Cakany und half damit, die ärgste Not der Kinder dort zu lindern. Gekrönt wurde diese Freundschaft durch einen Besuch des Chores in Cakany, der sowohl für alle Sängerinnen und Sänger, als auch für die Freunde in Cakany zum unvergesslichen Erlebnis wurde.

  

Seit 2010 unterstützte DaCapo mit den Spenden aus den Weihnachtskonzerten die „Mobile Kinderkrankenpflege“ in Frankfurt (www.diakonischeswerk-frankfurt.de). Es ist zu einer Herzensangelegenheit geworden zu helfen, und jedes Jahr ist die Freude groß, wenn wieder ein dicker Scheck für den guten Zweck übergeben werden kann. Ganz besonders auch deshalb, weil die Gäste seit einigen Jahren zu den Weihnachtskonzerten keinen Eintritt zahlen müssen und es sich bei den Spenden deshalb um „reine“ Spenden - Ihre Spenden - handelt. Dafür sagt DaCapo im Namen der Empfänger herzlichen Dank!

 

Erstmals geht der Überschuss der Spenden aus dem Weihnachtskonzert 2016 an die Hospiz Stiftung Rotary https://www.hospizstiftungrodgau.de/die-stiftung/ in Rodgau.

 

DaCapo ist mittlerweile weit über die Grenzen Rodgaus hinaus bekannt und als Gastchor bei Familien - und Vereinsfeiern und Musikfesten gefragt.

 

In den ersten 20 Jahren des Bestehens konnte DaCapo schon etliche Highlights verbuchen. So z.B. 1999 die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Rodgau, 2001 die Einladung zum Hessentag in Dietzenbach, die Entdeckung von Anne Kox-Schindelin (die seit dem Weihnachtskonzert 2012 von Bettina Linck abgelöst wurde) und Uta Hasenstab-Kießling, die Freundschaften zum Regenbogen-Quartett aus Steinheim und dem Jazztrio um Christian Müntz und vieles, vieles mehr. Für die 900-Jahrfeier des Rodgauer Ortsteils Hainhausen hatte Waldemar Tober die „Hymne“ geschrieben und ist mit seinem Chor DaCapo damit ein zweites Mal in die Geschichte der Stadt eingegangen.

  

Interne Highlights für Sängerinnen, Sänger und Chorleiter sind die jährlichen Reisen in Trainingscamps kurz vor den Sommerkonzerten. Hierbei wird nicht nur intensiv geprobt und Musik gemacht, sondern auch ordentlich gefeiert und getanzt. Daneben reihen sich unvergessliche Feste ein: Sommerfeste, Jubiläen, Geburtstage, Vereinsfeste, kirchliche Feste – und sogar zwei Hochzeiten aus „eigenen Reihen“.

  

Am 24. Juni 2012 feierte DaCapo mit ca. 300 Besuchern im ausverkauften Bürgerhaus Weiskirchen sein 20-jähriges Bestehen mit einer Matinee. Bei einer musikalischen Zeitreise durch 20 Jahre DaCapo begleiteten viele musikalische Freunde den Chor: Anne Kox-Schindelin mit ihrer Harfe, Uta Hasenstab-Kießling mit ihrer Querflöte, das Regenbogen-Quartett aus Steinheim und die beiden Jazzer Christian Müntz und Georg Hofbauer. Gemeinsam wurde mit den Gästen im Anschluss gebührend gefeiert.

 

Am 13. Juli 2014 dirigierte Waldemar Tober bei der Sommermatinee „Goodbye Waldemar“ zum letzten Mal „seine DaCapos“. Nach 22 Jahren ging seine Ära in einem sehr emotionalen und für alle Beteiligten bewegenden Abschied mit einem Konzert zu Ende. Das Weiskircher Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz besetzt und viele Freunde von Chor und Chorleiter würdigten die Jahrzehnte lange Arbeit von Waldemar Tober mit nicht enden wollendem Applaus, Standing Ovations und vielen emotionalen Beiträgen - auch im bereitliegenden Gästebuch. Ganz offiziell wurde an diesem Tag die Stimmgabel an die bis dato als Ko-Dirigentin agierende Sängerin Jutta Kroiß übergeben. Die Männerstimmen im Chor bekamen somit Nachwuchs: Waldemar!

  

Waldemar Tober ist seinem Chor bis heute erhalten geblieben und „die neue Alte“ oder „alte Neue“ leitet seither die musikalischen Geschicke der Gruppe.

  

Als krönender Abschluss wurde der langjährige Chorleiter mit einer Reise verabschiedet, bei der in bewährter DaCapo-Manier viel gefeiert, getanzt, gesungen und gelacht wurde. Hierbei wurde das Gästebuch vom Abschiedskonzert an Waldemar Tober übergeben.
 

Seither wird DaCapo von Jutta Kroiß geleitet, die ihr Debüt mit dem Chor schon kurz nach Amtsantritt bei einer Herbst-Soirée im Pfälzer Schloss zu Groß-Umstadt gab. Traditionell wurde und wird auch weiterhin das jährliche Weihnachtskonzert in der St. Nikolaus-Kirche in Rodgau-Jügesheim dargeboten.

 

Am 16. Dezember 2017 fand das Jubiläumskonzert von DaCapo anlässlich des 25-jährigen Bestehens statt - wie immer in der St. Nikolaus-Kirche in Rodgau-Jügesheim und wie seit vielen Jahren mit Bettina Linck an der Harfe und Uta Hasenstab-Kießling mit ihrer Querflöte. Der Erlös des Benefizkonzertes ging auch in diesem Jahr wieder an die Hospiz Stiftung Rotary Rodgau. In der vollbesetzten Kirche wurden Stücke des „Vaters“ der Gruppe Waldemar Tober und etliche der neuen Chorleiterin Jutta Kroiß zu Gehör gebracht. Lesen Sie dazu die Presseartikel auf unserer Website.

 

Im Sommer des Jubiläumsjahres reisten die DaCapos mit Anhang nach Leipzig und verbrachten dort drei interessante und sehr harmonische Tage.

 

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Diese 2.500 Jahre alte Weisheit des griechischen Philosophen Heraklit trifft auch für DaCapo zu.

 

Nachdem Jutta Kroiß 4 1/2 Jahre den Chor geleitet und sich zum Jahresende 2018 wieder in die Reihen der Sängerinnen eingereiht hat, wurde eine neue musikalische Leitung gesucht – und gefunden.

 

Als erfahrene Musikwissenschaftlerin, Chorleiterin und Instrumentalpädagogin konnte Andrea Hermes-Neumann aus Dietzenbach als Nachfolgerin verpflichtet werden. Ein erster gemeinsamer Auftritt ist beim Open Air 2019 des AGV Eintracht 1901 Münster und des dortigen Chores Da Capo am 29. Mai 2019 geplant. Jutta Kroiß steht weiterhin als Co-Dirigentin zur Verfügung.

 

Wir freuen uns, schon bald wieder für Sie singen zu können. Lassen Sie sich überraschen.

 

Wenn Sie bei uns mitsingen möchten, dann melden Sie sich einfach über unser Kontaktformular oder kommen Sie einfach am Freitag in unsere Singstunde.

 

Herzliche Grüße

 

Ihre DaCapos  

 

 

(Text: 03.03.2019 / Doris Schröter)